Städtereise Naumburg - Umberto Eco wäre gern mit ihr essen gegangen, mit Schneewittchens böser Stiefmutter

Wer war Uta von Naumburg

Veröffentlicht: Montag, 20. April 2015

Uta von naumburg
Uta von Naumburg im Naumburger Dom
Foto: Paul Marx / pixelio.de

Er hätte gern einen Abend mit ihr verbracht und wäre von allen Figuren der Kunst am liebsten mit ihr essen gegangen, schreibt Umberto Eco, der Schriftsteller und Autor des Mittelalterthrillers "Im Namen der Rose" in seiner "Geschichte der Schönheit".

Und wirklich, der erste Gedanke beim Anblick der weltberühmten Uta von Naumburg, dieser herrlichen Figur im Naumburger Dom kann nur sein: "Was für eine schöne Frau".

Sie hüllt sich in ihren Mantel, verdeckt ihr Gesicht halb mit ihrem Kragen, eine selbstbewusste Frau, die sich durchaus ihrer adligen Stellung bewusst ist.

In ihr Gesicht wurde viel hineingelesen. War sie nun die schutzsuchende, bescheidene Frau, die sich hinter ihrer Kleidung versteckt oder verrät ihr Blick vielmehr eine vom Adel geprägte Arroganz.

Um etwa 1000 wurde Uta als Tochter des Grafen Adalbert von Ballenstedt geboren. Ihr Bruder, Esico von Ballenstedt. gilt als Stammvater der Askanier. Um das Jahr 1026 wurde sie mit dem Markgrafen von Meißen, Ekkehard II, verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. 1046 starb sie.

200 Jahre nach ihrem Tod wurde ihr vom Naumburger Meister in der Figur der Uta von Naumburg ein Denkmal gesetzt. Zusammen mit ihrem Ehemann, Markgraf Ekkehard II steht sie als eine von 12 Stifterfiguren im Westchor des Naumburger Doms.

Die Figur der Uta fand auch deshalb ihren festen Platz in der Kunstgeschichte, da sie den in der Mitte des 13. Jahrhunderts vollzogenen Bruch zwischen der romanischen Darstellung mit seiner Reduzierung auf typenhafte Eigenschaften hin zur neuen individuellen, bewegten und emotionalen Abbildung markiert.

Mit der rechten Hand hüllt sie sich in den Kragen ihres Mantels, mit der Linken hält sie das Gewand fest, die Falten scheinen in Bewegung zu sein. Sie stellt nicht nur eine Figur, die für einen bestimmten Typ steht, dar, sondern ist eine Frau mit ihrer eigenen Körperlichkeit und mit all ihren persönlichen Eigenheiten.

Natürlich hat Uta 200 Jahre nach ihrem Tod dem Künstler nicht Modell sitzen können. Er wird selbst gewusst haben, welche Frau ihm zum Vorbild diente.

Naumburger Dom
Der Naumburger Dom ist nicht nur wegen der Uta weltberühmt und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Hätte Uta von Naumburg gewusst, wozu ihr Abbild in späteren Zeiten herhalten musste, hätte sie es sich mit der Domstiftung vielleicht noch einmal überlegt. Die beginnede Verehrung ihrer Figur im 19. Jhdt. gipfelte schließlich darin, dass die Nationalsozialisten sich ihrer Person bemächtigten. Plötzlich galt sie als leuchtendes Vorbild für deutsche Gesinnung und stellte das typisch deutsche weibliche Wesen dar. Ihr Bild hing damals in vielen deutschen Wohnzimmern und wurde für Gedanken und Ideen verehrt, von denen sie selbst noch nie etwas gehört haben konnte.

Vielleicht ist es diese Vorstellung, die Walt Disney schon 1937 veranlasste, in seinem Zeichentrickfilm "Schneewittchen und die sieben Zwerge" der bösen Stiefmutter Schneewittchens die Züge der Uta von Naumburg zu geben.

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